Architektur
Das Wort Architektur ist zusammengesetzt aus den griech. Wörtern αρχη
[arché] (= Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste) und τεχνη
[techné] = Kunst, Handwerk, auch tectum aus den Latein - Gebäude. Es ließe sich daher wörtlich mit „Erstes Handwerk“ oder „Erste Kunst“ übersetzen.
Die ursprüngliche Verwendung des Wortes Architektur bezieht sich auf die Tätigkeit und das Wissen des Architekten: altgriechisch architéktos = Oberster Handwerker (Zimmermann), Baukünstler, Baumeister.
Die Vieldeutigkeit des Wortes Architektur ist vor allem geprägt durch den zweiten Wortteil [techné] und die architektur-theoretischen Interpretationen darüber: Er kann verstanden werden als Kunst, Technik oder Tektonik. Alles dies sind Aspekte, die Architektur gleichermaßen und in jeder Hinsicht umfassen.
Architektur in der Informatik
Eine Architektur beschreibt in der Informatik im allgemeinen das Zusammenspiel der Komponenten eines komplexen Systems. Der Begriff wird in unterschiedlichen Bereichen angewendet.
Herkunft des Begriffs
Im 20. Jahrhundert wurde der aus dem Bauwesen stammende Architekturbegriff verallgemeinert und auch auf andere geplante, komplexe Strukturen und deren Konzeption (Entwurf) übertragen. Für die Etymologie und die Definition des klassischen Architekturbegriffs siehe den Artikel Architektur.
Die angewandte Informatik hat den übertragenen Architekturbegriff größtenteils übernommen. Dies wird dadurch befördert, dass einerseits Anwenderanforderungen die treibende Kraft sind, andererseits durch zunehmende Modularisierung das Zusammenspiel von vielen unterschiedlichen Komponenten zu orchestrieren ist.
Verwendungsbereiche
Der Architekturbegriff findet dabei im wesentlichen in drei unterschiedlichen Bereichen Anwendung: Einmal als Informationsarchitektur, die im Rahmen der Wirtschaftsinformatik die Komponenten eines Informationssystems und ihre Beziehungen zueinander umfasst, des Weiteren als Softwarearchitektur, die im Rahmen der Softwareentwicklung diese Beziehungen für ein Softwaresystem aufstellt, sowie schließlich der Rechnerarchitektur, die sich auf die Operationsprinzipien und die Hardwarestruktur von Computern bezieht.
Der Architekturgedanke erfuhr insbesondere in der Informations- und Softwarearchitektur große Bedeutung, als durch Erich Gamma die Entwurfsmuster des Mathematikers und Architekturtheoretikers Christopher Alexander auf die Softwareerstellung übertragen wurden. Hierbei wurde die große Verwandtschaft deutlich, die das Verstehen in der Informatik mit dem von Architekten oder Stadtplanern aufweist: bestimmte Anforderungen führen zu einem zu erstellenden Funktionsumfang, der durch einzelne Komponenten realisiert werden muss.
Ein Architekturmodell von Objekten insbesondere aus der Informatik, das als Vorlage für die Entwicklung und somit als Modellmuster dient oder zum Vergleich herangezogen wird, nennt man Referenzarchitektur.
Softwarearchitektur
Eine Softwarearchitektur beschreibt die grundlegenden Elemente und die Struktur eines Softwaresystems. Eine Definition von Helmut Balzert beschreibt den Begriff als
„eine strukturierte oder hierarchische Anordnung der Systemkomponenten sowie Beschreibung ihrer Beziehungen.“
Bei der Systementwicklung repräsentiert die Softwarearchitektur die früheste Softwaredesign-Entscheidung (Architekturentwurf). Eigenschaften wie
Modifizierbarkeit, Wartbarkeit, Sicherheit oder Performance sind von diesem Entwurf abhängig. Eine einmal eingerichtete Softwarearchitektur ist später nur mit hohem Aufwand abänderbar. Die Entscheidung über ihr Design ist somit eine der kritischsten und wichtigsten Punkte im Entwicklungsprozess einer Software. Mit der Bewertung von Softwarearchitekturen befasst sich die Softwarearchitekturbewertung.